mdr-umschau und ARD Plusminus berichten über die Markteinführung von Dimethylfumarat und Alemtuzumab

Im November letzten Jahres suchte eine Journalistin des MDR "MS-Patienten, die in Absprache mit ihrem Arzt bereits jetzt mit Dimethylfumarat (Fumarsäure) behandelt werden". Im DMSG-Forum wurde sie fündig und gestern Abend lief der Bericht "Umsatz auf Kosten der Patienten" in der MDR-Sendung "Umschau"

Screenshot MDR Umschau zu Dimethylfumarat und Alemtuzumab Bildnachweis: eigenes Bildschirmfoto, Quelle: MDR


Indikationshopping, um MS auszuschlachten?

Wir berichteten bereits 2008 erstmals über die Möglichkeiten von Alemtuzumab in der MS-Therapie, die Einführung von BG-12 aka Dimethylfumarat bzw. Fumarsäure (dort auch die Kommentare) wird von vielen Multiple Sklerose-PatientInnen hoffnungsvoll erwartet. Den ganzen Bericht gibt es noch bis ca. 5. Februar in der MDR-mediathek zu sehen und heute Abend in einer kürzeren Fassung im ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus.

Der Mechanismus, günstige Präparate für Multiple Sklerose umzuwidmen, um einen möglichst hohen Preis zu erzielen ("Indikationshopping"), kam in veränderter Form auch bei Fampyra zum Einsatz: Statt 200 Kapseln puren (nicht-retardierenden) Wirkstoff für ca. 120 EUR aus der Apotheke zu beziehen, bezahlen nun die Krankenkassen über 500 EUR monatlich für Fampyra in der 28-Tabletten-Darreichung, retardierend.

Wo bleibt da der Mensch, wenn's nur noch ums Business geht? Müssen wir langfristig um die gesellschaftliche Akzeptanz fürchten, so teure Krankheiten wie unsere weiter bezahlen zu wollen?

Für uns besonders interessant sind die Erfahrungen der im Screenshot oben gezeigten MS-Patientin Antje Reimann (ab ca. Min. 3'00), die wirklich sehr gute Besserung ihrer schubförmigen MS erzielt, seit sie die aus der Apotheke bezogenen Dimethylfumarat-Kapseln einnimmt. Bei aller Hoffnung ist wieder einmal anzunehmen, dass Dimethylfumarat nicht bei allen MS-Patientinnen einen so guten Effekt hat. Spannend bleibt es also auf jeden Fall.

Kommentare


Natürlich ist es moralisch nicht zu vertreten, wenn eine Medikament, das Menschen helfen kann, plötzlich und nur aus wirtschaftlichen Interessen vollkommen vom Markt genommen wird. Wenn es aber um die Preisanpassung geht, so müssen auch die (Forschungs-)kosten der Unternehmen berücksichtigt werden. Im Fall von Fumaderm wird es in dem Bericht so dargestellt, als wäre die Wirkung bei MS zufällig aufgefallen und der Preis für das Medikament unmittelbar danach einfach erhöht worden. Zu bedenken sind aber die (hohen) Kosten der vorgeschriebenen und freiwilligen Studien und der zusätzlichen Forschung.

Ob der resultierende Preis angemessen ist, kann man schwer sagen - eine Deckelung des Gewinns macht vielleicht Sinn, aber dabei würde es auch Möglichkeiten geben, die tatsächlichen Kosten zu verschleiern. Der Anreiz für die Forschung muss vorhanden sein, sonst gibt es keine neuen und sicheren Medikamente. Auch nicht erfolgreiche Forschung muss bezahlt werden. Das alles wird in dem Bericht zumindest nicht angesprochen.

#1 28. Februar 2013 (Antwort)

Sebastian

Die Preisbildung ist ein langjähriges Thema der Ökonomie.

Da in DE die marktwirtschaftlichen Kriterien abgeschafft wurden, wird sich eben ander Massen orientiert, wie auch in dem Bericht RICHTIG dargestellt (mein Lob an die Journalisten!).

Wenn es möglich ist, für ein medikametn mehr zu bekommen, als vorher, obwohl lediglich ein neuer Zulassungsprozess (Phase I-IV) durchlaufen werden muß, wird sich ein Preis in dieser Region finden. Ob "gerecht" oder "ungerecht" ist hierbei egal, denn diese Preisfindung findet in einem anderen System, als dem marktwirtschaftlichen statt.
Und wie in dem Bericht beschrieben, hat der Gesetzgeber hier wohl kein Interesse an einer Änderung (wahrscheinlich weil sonst die Schmiergelder niedriger werden).

Ergo: nicht immer gleich auf den Unternehmen rumhacken, sonder auch schauen, wie das System funktioniert.

#2 15. März 2013 (Antwort)

Marc (tm)

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