Bayer-Chef Werner Wenning rechtfertigt Pharma-Marketing

Werner Wenning, Chef von Bayer, im FAZ-Interview: 15-17% des Umsatzes für die Forschung, rund 30% für Marketing. Er empfindet dies nicht als Missverhältnis, sondern rechtfertigt das hohe Marketing-Budget recht kreativ:
Zum Marketing gehören außerdem nicht nur die klassischen Vertriebsaufwendungen, sondern beispielsweise auch Kosten für weitere Arzneimittelstudien nach der Zulassung. Zudem gibt es besondere Programme zur Unterstützung von Patienten und zur Beratung von Familienangehörigen - etwa durch die Ausbildung von speziellen Betaferon-Krankenschwestern und Kinderbücher über multiple Sklerose, damit Kinder verstehen, was mit ihren Eltern geschieht.
Sind Betaferon-Krankenschwestern und Bilderbücher wirklich das, was PatientInnen von einem Pharma-Unternehmen erwarten?

Kommentare


Wenn's denn bei Kinderbüchern, Sprittschwestern und "emotional Science" a la "Nina" bliebe:

Prof. Dr. Gerd Glaeske und Dr. Kirsten Schubert untersuchten im Auftrag der Selbsthilfe-Fördergemeinschaft der Ersatzkassen, den Einfluss der Arzneimittelhersteller auf die selbstorganisierte Patienteninformation. Ihr Bericht dokumentiert die Einflussnahme des pharmazeutisch-industriellen Komplexes auf der Basis von Medien- und Dokumentenanalyse, Interviews und teilnehmender Beobachtung an ausgewählten Krankheitsbildern. (Alzheimer Demenz, Neurodermitis, Osteoporose, Parkinsonsche Erkrankung, Psoriasis und Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom/ADHS)

Die Analyse kommt zu erschrckenden Ergebnissen. Neben Produkt-Placement und konventioneller Präsentation gelingt es den „Werbetreibenden" direkt über gesponserte/gekaufte Wissenschaftler Einfluss auf Therapieempfehlungen zu nehmen. Solche pharmageschmierte Wissenschaftler sind sogar in den medizinischen Fachgesellschaften, wo sie Behandlungsleitlinien erstellen. Sie geben dort Arzneimittelempfehlungen ab, die als „State of the Art" gelten und schließlich die Qualitätsstandards in der integrierten Versorgung chronisch Kranker bestimmen. Ein direkterer Einfluss auf das Versorgungsgeschehen ist kaum denkbar.

Ein Pharmamarketing-Experte äußerte sich im Interview mit den Bremer Forschern freimütig dahingehend, dass „sie doch kein Caritasverein seien; wenn die Wissenschaftler Gelder bezögen, müssten sie auch entsprechende Inhalte vertreten".

Link zum vollständigen Bericht von Prof. Dr. Gerd Glaeske und Dr. Kirsten Schubert als PDF-Dokument: http://www.kkh.de/fileserver/kkh2006/BROCHURES/Broschuere404.pdf

Beste Grüße
www.chefarztfrau.de

#1 5. Februar 2008 (Antwort)

Beobachter

Wenn "weitere Arzneimittelstudien nach der Zulassung" als Marketing verbucht werden, kann es mit der Objektivität nicht weit her sein.

Grüße
stephan@spamschlucker.org

#2 12. Februar 2008 (Antwort)

Spamschlucker

Eine wichtige SHG fehlt - Die AMSEL.

Vorsitzender, Peter Koch, ein Pharma-Funktionär.

Zweiter Vorsitzender - Ein Ärztefunktionär

Weiteres Mitgleid im Vorstand - ein Klinikfunktionär.

Rollstuhlfahrer? Fehlanzeige. Die passen nciht in das schöne Bild der AMSEL/Pharma-Konnektion. Dank Basistherapie darf es ja sowas bei MS nicht mehr geben.

Noch Fragen zur Haltung der AMSEL-Funktionäre? Hier herrscht Lobbyismus und Einflussnahme in Reinkultur.

#3 13. Februar 2008 (Antwort)

Kritiker

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