Autoimmunkrankungen mit gemeinsamer Ursache

Die NZZ am Sonntag veröffentlichte ein ausführliches Dossier zu Autoimmunerkrankungen: "Wenn das Immunsystem Amok läuft" (Link am Ende des Beitrags).
An Autoimmunerkankungen leiden dreimal mehr Menschen als an Krebs. Neben der MS zählen hierzu u.a. Morbus Crohn, Lupus, chronische Arthritis oder Diabetes Typ I. Nach heutigem Kenntnisstand lassen sich diese Erkrankungen auf gemeinsame Ursachen zurückführen:
Das Immunsystem, «im Prinzip geradezu rassistisch gegen alles, was nicht das Eigene ist», verliert plötzlich seine Überzeugung. Doch weshalb? Darauf gibt es keine befriedigende Antwort. «Autoimmunität ist unser grösstes schwarzes Loch. Wir wissen noch sehr wenig»
sagt Beda Stadler, Leiter des Instituts für Immunologie der Universität Bern.

Autoimmunkrankheiten [...] sind jedoch «nur das äussere Erscheinungsbild», sagt Beda Stadler. Die Symptome hätten sehr wahrscheinlich einen «common cause», einen gemeinsamen Ursprung. Dafür spricht, dass die vererbten Autoimmunkrankheiten sich beim Übergang von einer Generation zur nächsten in unterschiedlicher Ausprägung zeigen können. [Es] braucht es nur noch einen Auslöser, damit die T- und B-Lymphozyten bestimmte Körperteile ins Visier nehmen.
so Stadler weiter.
Ob diese gemeinsame Ursache an einer Überforderung des Immunsystems durch Umweltgifte, Stress oder Ernährung oder an «funktioneller Langeweile», also an Unterforderung des Immunsystems durch Impfungen und große Hygiene festzumachen ist, scheint heute noch unklar -- beide Thesen lassen sich belegen.

Der Beitrag schließt mit einer ernüchternden Feststellung:
Die Forschung über das verrückt spielende Immunsystem läuft jedoch auf Sparflamme. Das hat damit zu tun, dass Autoimmunkrankheiten erst seit rund zehn Jahren als Krankheiten mit gemeinsamem Hintergrund erkannt werden. Zudem werden Autoimmunkrankheiten in den medizinischen Statistiken nicht gesondert aufgeführt, und auch die Krankenkassen verfolgen ihre Entwicklung nicht. [...] Autoimmunkrankheiten gehören inzwischen zu den zehn häufigsten Todesursachen.
Und je mehr darüber bekannt wird, desto mehr weitere Fragen stellen sich offenbar wie z.B. die, ob das Immunsystem nun über- oder unterfordert ist.

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