Neue Serie in BILD: "Ich habe Multiple Sklerose"

Multiple Sklerose bekommt Öffentlichkeit, und das von völlig unerwarteter Stelle: BILD, auflagenstärkste deutsche Tageszeitung, startete gestern eine neue Serie "Ich habe Multiple Sklerose". In einfachen, anschaulichen Worten wird dem Normalbürger nahegebracht, was es bedeutet an MS erkrankt zu sein. Hervorheben möchten wir, dass die meisten Schilderungen -- bis auf eine Ausnahme -- wirklich realitätsnah sind.

Ausgangspunkt ist die 22jährige Natalie Todenhöfer, Tochter des ehemaligen CDU-Spitzenpolitikers und Burda-Managers Jürgen Todenhöfer, die 2004 ihre Diagnose erhielt. In dieser Schilderung ist auch der einzige wirklich große Schnitzer in inhaltlicher Hinsicht:
Nathalie erfährt [zunächst] nicht, welche Krankheit sie wirklich hat. Aber nach zwei Wochen Klinik ist sie so weit auf Medikamente (Cortison) eingestellt, dass sie wieder zur Schule gehen kann.
Richtiger wäre wahrscheinlich gewesen, dass sie nach mehrtägiger Cortison-Stosstherapie die Klinik wieder verlassen konnte, um wieder zur Schule zu gehen.

Natalie Todenhöfer hat mit Unterstützung ihres prominenten Vaters die Stiftung "Lebensfreude für MS-Kranke in Not" gegründet, die bei der Erfüllung kleiner Lebensträume helfen möchte. Schade nur, dass die Stiftungswebsite komplett in Flash gebaut wurde, was nicht barrierefrei ist, und damit für schwer Betroffene nicht zugänglich ist. Gestern abend war sie auch in der Talkshow Johannes B. Kerner im ZDF. Hat das jemand gesehen? Hat sie es gut gemacht?

Sie sagte, das mit der Urinflasche am Bett, das ist auf Dauer nichts für mich!
Aus der Reihe unterstützter Personen stammt auch Erwin Schönauer, dessen Schicksal ebenfalls von BILD dargestellt wird -- ein Fall mit sehr schlechtem Verlauf und einigen Zitaten, die dem Normalleser deutlich machen, wohin Multiple Sklerose im ungünstigen Szenario führen kann.

Weiterhin bringt BILD ein Interview mit Prof. Dr. med. Reinhard Hohlfeld, dem Direktor des Instituts für Klinische Neuroimmunologie in Großhadern. Auch hier ist zu loben, dass mit einfachen Worten das Wesentliche zu MS gesagt wird.

Wir meinen: Weiter so, BILD! Derartige Unterstützung hilft massiv, Vorurteile abzubauen ("MS? Ach, Muskelschwund?") und Berührungsängste zu verringern. Daumen hoch!

Update 8. Mai 2007: Der Auftritt von Natalie Todenhöfer bei Johannes B. Kerner wird im MS-Forum der DMSG nicht so arg gut bewertet:

Update #2 vom 23. Mai 2007: Der Auftritt von Natalie Todenhöfer bei Johannes B. Kerner kann auch als Video angesehen werden, um sich selbst ein Bild zu machen:

Kommentare


Bin sehr erstaubt und auch erfreut das sich die "Bild" für dieses Thema interessiert....
und die Öffentlichkeit etwas aufklärung erfährt....Die Medien sollten diesem Beispiel weiterhin folgen....und über MS und auch andere Krankheiten berichten.

#1 18. Januar 2008 (Antwort)

Melanie Krautmann

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