Hippotherapie mit dem Pferde-Roboter

Hippotherapie als Form des Therapeutischen Reitens ist eine seit 2002 anerkannte Therapieform bei Multiple Sklerose (Wikipedia), doch wer hat gerade mal ein Pferd da, das auch noch brav mitmacht? Diese Frage beantworteten österreichische Forscher mit einem ausgemusterten Schweißroboter aus der Autoindustrie (mutmaßlich von Kuka) und einer der Hippotherapie entsprechenden Programmierung der Bewegungen.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Physiotherapie mit dem Pferderoboter IM-hirob verbessert sowohl Rumpf-Kontroll-Störung als auch Beckenaufrichtung bei Multiple Sklerose-Patienten und damit das Gehen, berichtet Leopold Saltuari, Leiter Neurologie am Landeskrankenhaus Hochzirl, Österreich, im ORF-Magazin "bewusst gesund" am 28.01.2012.



Auch in Österreich müssen die öffentlich-rechtlichen Sender nach 7 Tagen ihre Archive leeren, doch zum Glück hat der Hersteller des Therapieroboters, intelligent motion, den gesamten Beitrag auf YouTube festgehalten:

Die Homepage des Herstellers bietet weitere Infos und Presseclippings, außerdem eine ausführliche Präsentation der zugrundeliegenden Studie:

Die Frage ist, ob ein ausgemusterter Industrieroboter leichter verfügbar ist als ein Pferd, aber für Reha-Einrichtungen dürfte der Roboter interessant sein.

Erfolge mit Fampyra

Im zweiten Teil des ORF-Magazinbeitrags (ab Minute 3:32) geht es um die Erfolge bei der Anwendung von Famypra, über wir hier an dieser Stelle bereits früh berichteten:

Beeindruckend ist dabei der "Vorher/Nachher"-Video-Vergleich eines 53-jährigen männlichen MS-Patienten. Am Ende des Beitrags zwar etwas kitschig inszeniert, aber unbedingt erwähnenswert ist die Tatsache, dass der Kaliumkanalblocker auch bei Rollstuhl-Patient/innen sehr positiv wirken kann: Beim Umsetzen, beim Toilettengang und ja, sogar beim Sex -- ein Thema, das sowohl in

... das erste Mal seit vielen Jahren wieder Sex [...], weil sie wieder Spaß hatte, weil sie sich wieder bewegen konnte
der Öffentlichkeit als auch bei den Betroffenen und ihren Partnern/innen eher tabuisiert wird.

Da hat uns die 72-jährige Rollstuhlfahrerin im Wartezimmer eines Neurologen mindestens genauso sehr berührt, als sie berichtete, dass ihr eine ganze Fampyra-Tablette wohl zu stark sei, aber seit sie morgens und abends eine halbe nähme, könne sie wieder selbst lesen, weil ihre Hand dann wieder das Buch halten könne.
Lebensqualität hat viele Facetten!

Weniger gut passt dazu, dass das Bundessozialgericht in Kassel entschieden hat, die Kosten für Potenzmittel wie Viagra, Cialis oder Levitra bei MS-Patienten nicht zu übernehmen, wie z.B. die Süddeutsche Zeitung am 11.03.2012 berichtete -- immerhin interpretiert Indien den pharmazeutischen Patentschutz anders als der Rest der Welt -- FTD von heute.

Kommentare


Ich habe seit 25 Jahren MS und kann immer noch gehen, allerdings mit Abstrichen.
Die Wegstrecke hat sich doch sehr verkürzt.

Hippotherapie kann ich nur wärmstens empfehlen.
Meine erste Erfahrung war ein richtiges WOW.
Ich stieg nach einer halben Stunde reiten vom Pferd ab und meine Beine waren so leicht. Ich konnte es gar nicht fassen, denn ich ging beschwingt und voller Euphorie vom Platz und es hat noch eine ganze Weile angehalten, das gute Gefühl.

#1 15. März 2015 (Antwort)

Tessa

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