Intrathekale Triamcinolon-Therapie bei sekundär progressiver MS

Die Fachzeitschrift Ärztliche Praxis NeurologiePsychiatrie (Biermann Medizin, 01_2010, S. 22-24) behandelt die intrathekale Triamcinolon-Injektion als "Neue Strategie bei sekundär progressiver MS" im Rahmen des Fokus-Themas MS.

Die Autoren - Stefan Bölch und Dr. Jürgen Kohler, Emmendingen - sehen die Multiple Sklerose in ihrer sekundär progredienten Verlaufsforum als "zunehmende Kompartmentalisierung der autoimmunen Entzündung im ZNS selbst bei gleichzeitig intakter Blut-Hirn-Schranke", (d.h. also ohne die Mitwirkung von sog. MS-Schüben.)

Prof. Dr. Hans Lassmann vom Zentrum für Hirnforschung an der Medizinischen Universität Wien/Österreich beschreibt diese erst im weiteren Verlauf der Erkrankung eintretende Auffächerung der aktiven MS-Regionen in Zentralen Nervensystem (also bei SPMS, PPMS; compartment = Fach) als "diffuse Schädigung der weissen Substanz und der Hirnrinde". (Quelle: 977 Kb-PDF einer Präsentation von vermutlich 2007)

Bölch und Kohler beschreiben diesen Prozess als "diffuse kortikale Neuroinflammation, unter anderem mit Persistenz von B-Zellen, begleitender axonaler Schädigung und kortikaler Demyelinisierung", belegt durch neuropathologische Untersuchungen der letzten Jahre. Daher könne man mit der intrathekalen Applikation von Triamcinolon (ITT), z.B. Volon A 40mg oder 80mg, darauf zielen, die "Neuroinflammation hinter der intakten Blut-Hirn- bzw. Liquorschranke direkter und möglicherweise effizienter zu vermindern".

Außer einer Doktorarbeit aus dem Jahr 2003 ("Der Einfluss intrathekaler Triamcinolonacetonidapplikation auf klinische Parameter, Marker der Neurodegeneration und Marker der Entzündung bei Patienten mit chronisch-progredienter Multipler Sklerose", PDF 688 Kb) liegt so gut wie keine systematische Forschung vor. Auch die Beobachtungen von Bölch/Kohler stützen sich auf eine vergleichbar geringe Patientenbasis (89 gesamt), weshalb die Autoren folgerichtig "weitere Evaluation der ITT bei SPMS im Rahmen einer randomisierten, multizentrischen Studie" fordern.

Intrathekale TCA-Therapie zusammengefasst

  • MS in sekundär-progredienter Verlaufsform
  • ITT regelmäßig alle 4-6 Wochen
  • auch über lange Zeiträume anwendbar
  • breite Wirksamkeit, nicht nur antispastisch
  • mehrheitlich gut verträglich
  • progressionsvermindernd
  • punktions-erfahrener Arzt notwendig
  • ambulant durchführbar


Kommentare


"neue" Therapie .. klasse, selten so gelacht .. die Schlussfolgerungen in der Zusammenfassung sind zwar alle richtig und ich profitiere sehr stark von dieser Therapie, aber entwickelt wurde sie (die Therapie) 1972 an städtischen Klinikum in Sindelfingen von Prof. Ingo Neu!

Neue Therapie .. ich lach mich tot .. nur weil alle Ärzte im Interferonrausch der Pharmaindustrie der letzten 20 Jahre die wirklich guten und vergleichsweise günstigen Therapien der Anfangszeit der MS-Behandlung alle vergessen haben!

Eigentlich traurig!!

Keep the faith!
Peter

#1 17. März 2010 (Antwort)

Snowwizard

Es ist schon als dramatisch zu bezeichnen, dass preiswerte Alternativen einfach nicht verfolgt werden.
Es läßt sich zwar leicht mit dem System begründen, dass an Therapien, die keine hohen Profite versprechen einfach nicht geforscht wird.
Besser macht es das aber nicht!
Versucht also die TCA und urteilt selbst.

#2 18. März 2010 (Antwort)

Matze

Kann man irgendwo eine Liste bekommen, wo die Kliniken aufgeführt sind ,welche diese Therapie machen? Würde es gern mal ausprobieren, vielleicht bringt es mir etwas.

#3 30. April 2010 (Antwort)

Bernd Bürger

Dieser MS-Reporter Beitrag enthält ein paar Links, die u.a. auch Kliniken nennen bzw. zitieren
Interessant wäre eine Liste zu haben mit Neurologen/Anästhesisten, welche die intrathekale TCA-Therapie ambulant durchführen.

#3.1 30. April 2010 (Antwort)

Achim Schlemmer

Hallo,

hat jemand Erfahrung damit, ob die TCA-Therapie wirkt, wenn die übliche Kortison-Stoß-Therapie nicht mehr anschlägt? Danke für Auskünfte!

HD

#4 4. Januar 2011 (Antwort)

HD

Hallo HD,

ich hab sehr gute Erfahrungen, ich mach die Therapie monatlich mit 80mg/Monat.

Bei Fragen, stell sie hier, oder schreib mir eine Mail, das ist zielich umfangreich!!

Gruss
Peter

#5 6. Januar 2011 (Antwort)

snowwizard

Hallo Peter/ Snowwizard,
habe auch diese Therapie empfohlen bekommen und mich würde interessieren, welche ms-bedingten Probleme du hast und in wie weit dir diese Therapie da weiter hilft.
(Ich habe vor Allem Gangstörungen und Schmerzen)

Auf eine Rückmeldung freut sich,
I. Vollmart

#5.1 28. August 2012 (Antwort)

i. Vollmart

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